Sonntag, 28. September 2014

Chiffon oder wie man die (Stoff-)Pest besiegt!

Obwohl ich mir schon mehrfach geschworen habe, NIE wieder einen Chiffon in die Hand, bzw. unter die Nadel zu nehmen, werde ich doch immer wieder schwach. Fast ist es so ein bisschen wie beim Kinder kriegen: Kurz danach ist man fest davon überzeugt, dass man so eine Geburt nicht noch einmal braucht, aber ist ein bisschen Zeit vergangen, hat man auch schon wieder alles vergessen und/oder verdrängt....jaja....

Ganz unter dem Einfluss des o.g. Mechanismus habe ich auf dem Stoffmarkt in Würzburg gleich 3x zum Chiffon gegriffen und konnte es selbst kaum glauben, als ich zuhause dann meine Schätze ausgepackt habe. Was hatte ich mir nur dabei gedacht?! Ganz offensichtlich NIX! Hatte mich einfach von den Mustern und Farben einwickeln lassen und ohne nachzudenken eingekauft. Nun hatte ich den Salat!

Ganz beherzt - vielleicht auch, um das Schlimmste möglichst schnell hinter mich zu bringen - habe ich mir den ersten Chiffon gegriffen und noch einmal eine Tunika nach dem Burda Einzelschnitt Nr. 7659 - wie hier schon einmal - genäht.
Und prompt war sie da wieder: Die Frustration, die mich beim Chiffonverarbeiten IMMER überwältigt. Diesem Material ist einfach mit normalen Mitteln nicht beizukommen.
Es bleibt nicht liegen, wie es soll,
verzieht sich auf dem Tisch allein schon beim bloßen Hinsehen,
niemals sind zwei gleiche Teile auch tatsächlich gleich nach dem Zuschnitt,
keine Nadel hält richtig in diesem weichen Gewebe,
nicht mal Heften führt zu einem 100%igen Ergebnis, wie man es sich wünscht....
kurz gesagt: Chiffon ist für mich echt die Pest!

Auch wenn die Tunika letztlich einigermaßen tragbar geworden ist,...

...die Angst und der Unwille vor dem nächsten Stöffchen dieser Art, saß mir bereits im Nacken.

Und just in diesem Moment, startete Frau machwerk ihre Chiffonbändigungsversuchsreihe!
Dankbar ihren Erkenntnissen folgend, habe ich meine beiden verbliebenen Chiffons ebenfalls mit Hoffmann's Stärke präpariert. Ich habe 5m Chiffon in einer Mischung aus 1,5 Liter Wasser mit 180ml Stärke gebadet, was ich beim nächsten Mal etwas ändern würde. Zum einen würde ich das Mischverhältnis etwas zugunsten der Stärke verändern, also 180ml auf 1 Liter Wasser geben und dann würde ich nur so viel Stärke/Wassergemisch auf die Stoffe geben, bis sie durchfeuchtet sind, aber ohne, dass sie in Flüssigkeit schwimmen. Letztlich hatte ich dieses ganze Stärkegesabbsche nämlich nur in meiner Waschküche auf dem Boden und da braucht man's ja nun eigentlich wirklich nicht. Vermutlich hätten ein halber Liter Wasser + 90ml Hoffmann's völlig gereicht.

Fakt ist, dass der nach dieser Behandlung fadengerade aufgehängt und getrocknete Chiffon plötzlich ganz handzahm ist! Ja-haaa, völlig einfach zu verarbeiten. Nix glibscht mehr weg, die Nadeln halten wesentlich besser, Schrägbänder lassen sich problemlos zuschneiden - es ist ein Traum!

Also dann - ich geh mal weiter frustfrei Chiffonblüschen nähen und mich freuen!

Kommentare:

  1. Liebes, das hast du ganz wunderbar beschrieben.
    Zum nächsten Stoffmarkt reicht uns dann ein kleines Handtäschchen zum Transport der Ware weil wir nur Chiffon für den Sommer kaufen. :)

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  2. ... und die Tunika steht dir so wunderbar.
    lg otti

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  3. Wäre doch schade, wenn du nicht mehr so hübsche Blüschen nähen würdest!
    Danke für deine Tipps. Nachdem ich im Sommer zwei Kleider aus rutschigem Teufelsstoff genäht habe (mit entsprechendem Frust, was die Verarbeitung angeht) und auch die Sprühstärke nur begrenzt geholfen hat, werde ich mir jetzt auch Flüssigstärke besorgen und dann nur noch Bretter nähen, die genau machen, was ich will.
    LG
    Susanne

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